Japanische und deutsche Logistikunternehmen wollen voneinander lernen

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Von Taro Ichikawa

TOKIO (IDN) – Vor 150 Jahren haben Deutschland und Japan ihre Beziehungen offiziell aufgenommen. Das Gedenkjahr nutzten japanische Logistikunternehmen für einen Erfahrungsaustausch mit deutschen Transportfirmen. Im Mittelpunkt der Gespräche stand die Frage, wie die Fuhrunternehmen beider Länder ihren ökologischen Fußabdruck noch weiter verringern können.

Mit jährlich 150 Milliarden Euro erwirtschaften deutsche Logistikunternehmen 7,5 Prozent des nationalen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Das entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von sechs Prozent. Zudem beschäftigt der boomende Wirtschaftszweig 170.000 Menschen beziehungsweise neun Prozent der Arbeitskräfte von Berlin-Brandenburg, der Drehscheibe für den deutschen Gütertransport in Richtung Russland und Polen. Auch Städte wie Brüssel und Mailand werden von dort aus angefahren.

Vertreter japanischer Logistikunternehmen, die in der 'Tokyo Trucking Association' (TTA) zusammengeschlossen sind, und des deutschen Verbands Verkehr und Logistik (VVL) fanden sich im September in Berlin zu einem Dialog zusammen. VVL vertritt die Interessen einer Vielzahl von Transportfirmen, die 12.000 Menschen beschäftigen. Er bildet zudem junge Leute aus, die sich für den Logistiksektor interessieren. "Diese jungen Leute", so der VVL-Generaldirektor Karl-Dieter Martens gegenüber seinen japanischen Besuchern, " sollen nicht zu Sklaven der modernen Technologie sondern befähigt werden, Technologie als ein Werkzeug für ihr Fortkommen zu nutzen".

Der Leiter der japanischen Delegation, der TTA-Vizepräsident und Chef der 'Nagai Transport Company', Junichi Nagai, würdigte die Zusammenkunft "als extrem nützlichen Erfahrungsaustausch von Experten".

Martens wiederum zeigte sich von dem Känguruh-Konzept der japanischen Firma beeindruckt.  So wie Kanguru-Babys geschützt im Beutel ihrer Mütter heranwachsen, sollen die Lkws der Nagai Transport Company die ihnen anvertrauten Waren sicher zu deren Bestimmungsort bringen, erläuterte Nagai, der das nach dem Zweiten Weltkrieg gegründete Unternehmen von seinem Vater geerbt hat.

Kraftfahrzeuge erobern Asien-Pazifik-Region

Der Leiter der TTA-Umweltabteilung, Keiji Endo, stellte auf dem Treffen das Grüne Öko-Projekt des japanischen Transportverbandes vor. Er verdeutlichte die Bedeutung der Initiative, indem er darauf hinwies, dass nirgendwo sonst auf der Welt so viele motorisierte Fahrzeuge unterwegs sind wie im asiatisch-pazifischen Raum. Sollte sich der Trend fortsetzen, werden es mehr sein als in Europa und Nordamerika zusammengenommen.

Allein Japan verzeichnet einen Anstieg von 8,12 Millionen Fahrzeugen 1966 auf fast 79 Millionen 2009. Davon sind 54 Prozent Pkw, 34 Prozent leichte Nutzfahrzeuge und acht Prozent Lkw. Der Rest verteilt sich auf Motorräder und Busse.

Parallel zu dieser Entwicklung nimmt auch die Zahl der Transportunternehmen zu. "Derzeit gibt es in Japan mehr als 60.000 Logistikunternehmen. Das ist ein Anstieg um 50 Prozent seit den 1990er Jahren", erläuterte Endo. 99 Prozent dieser Firmen besitzen weniger als 100 Laster, und 76  Prozent sind Kleinunternehmen mit unter 20 Transportfahrzeugen.

Gemäß einem japanischen Gesetz zur Reduktion der von Dieselmotoren verursachten Stickoxid- und Feinstaubemissionen dürfen seit 2003 landesweit keine Großlaster mehr zugelassen werden, die älter als neun Jahre sind. Bei kleineren Lkw gilt eine Grenze von acht Jahren. Die Kilometerzahl spielt keine Rolle. Stickoxide tragen zur Bildung von Ozon bei, das zusammen mit Feinstaub zu den größten Luftverschmutzern zählt.

In Japans Hauptstadt Tokio gelten noch schärfere Auflagen. Besitzer von Fahrzeugen, die älter als sieben Jahre sind, müssen entweder einen Rußpartikelfilter einbauen oder die Autos abschaffen. Verstöße gegen die Bestimmung werden bestraft. Diese Regelung hat zwar für einen Rückgang der Luftverschmutzung in Tokio geführt, viele kleine und mittelgroße Transportunternehmen jedoch in Existenznot gebracht. Tatsächlich ging die Zahl der Mitglieder der TTA und ebenfalls der Lkw um 20 Prozent zurück.

Umweltfreundlicher Fahrstil

Auch das reformierte Energiespargesetz soll dazu beitragen, die Umwelt zu schützen. Fuhrunternehmen sind demnach verpflichtet, regelmäßig über ihre CO2-Emissionen Bericht zu erstatten. "Die kleinen Firmen sind allerdings nicht in der Lage, solche Daten zu erheben", gab Endo zu bedenken. Angesichts der mit den Umweltschutzbestimmungen verbundenen Probleme ihrer kleinen und mittelständischen Mitglieder hat die TTA ihr Grünes Öko-Projekt gestartet, das vor allem auf einen umweltfreundlichen Fahrstil der Fahrer setzt.

Die sind angehalten, Checklisten zu führen, um Fortschritte etwa bei der Treibstoffeffizienz zu erkennen. Wer eine gute Leistung erbringt, wird ausgezeichnet. Die Projektmanager können ihr Wissen durch die Teilnahme an sieben Schulungen pro Jahr erweitern. Das Vorhaben soll die soziale Verantwortung der Logistikfirmen für die Umwelt unterstreichen.

Einer Untersuchung zufolge führte der umweltfreundliche Fahrstil dazu, dass die Stickoxidwerte um 15 Prozent und die CO2-Emissionen um 20 Prozent sanken. Eckpfeiler des Grünen Öko-Projekts sind Nachhaltigkeit, überschaubare Kosten, verlässliche Datensammlung und Akzeptanz bei Kraftfahrern.

Ferner konnte der Benzinverbrauch in den vergangenen vier Jahren drastisch gesenkt werden. Eingespart wurden 546 Großtankwagen beziehungsweise 14,4 Millionen US-Dollar. Für das Klima eine gute Nachricht. So wurden 22.888 Tonnen CO2 weniger in die Umwelt abgegeben und mit den Einsparungen 1.635.000 Zedern aufgeforstet. Auch die Zahl der Verkehrsunfälle sank um 40 Prozent.

"Wir können sagen, dass sich das Projekt sowohl in wirtschaftlicher als auch in gesellschaftlicher Hinsicht ausgezahlt hat", berichtete Endo den VVL-Vertretern. Als nächsten Schritt werde man eine Datenbank zur Bewertung der Treibstoffeffizienz der unterschiedlichen Fahrzeugtypen einrichten.

Hohe Akzeptanz

Wie der Transportunternehmer berichtete, sprechen sich die Erfolge herum, was wiederum zu einer positiven Resonanz führt. So nimmt die Zahl der Verbandsmitglieder, die mitmachen wollen, immer weiter zu. Bis Juli 2011 waren es mehr als 530 Unternehmen und über 12.214 Fahrzeuge.

Wie Endo betonte, profitiert das Projekt von technologischen Neuerungen wie digitalen Tachografen und Fahrtenschreiben. Dennoch macht das Grüne Öko-Projekt keine umfangreichen Investitionen oder die Anschaffung einer ausgeklügelten Technologie erforderlich. Es werde lediglich ein kleines Stück Papier benötigt: das sogenannte Fahrmanagementblatt, auf dem die Fahrer die entscheidenden Angaben festgehalten.

Endo brachte gegenüber den VVL-Vertretern seine Hoffnung zum Ausbruch, dass der Erfahrungsaustausch zwischen deutschen und japanischen Transportunternehmen fortgeführt wird. ' [Deutsche Bearbeitung: Karina Böckmann]

Originalbeitrag: http://www.indepthnews.info/index.php/the-world/asia-pacific/515-japan-eco-project

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